Drei Fragen an … einen Fachberater

Teaserbild Drei Fragen an ...Drei Fragen an … Holger Uthe, Fachberater für Ganztagsschulen am Staatlichen Schulamt für den Landkreis Fulda

1. Welche Aufgaben hat eigentlich eine Fachberaterin/ein Fachberater für Ganztagsschulen am Staatlichen Schulamt?

Als Fachberater für Ganztagsschulen am Staatlichen Schulamt ist es meine Aufgabe, Schulen in ihrem Entwicklungsprozess zur ganztägig arbeitenden Schule zu begleiten.

Das heißt, dass ich in einem längeren Beratungsprozess vor Ort die Situation und die individuellen Besonderheiten des Schulstandortes mit den Schulleitungen und Kollegien analysiere und ihnen dann bei der Beantragung und Konzeptentwicklung in den einzelnen Profilen zur Seite stehe. Dies geschieht immer in enger Zusammenarbeit mit der Generalistin für Ganztagschulen am Staatlichen Schulamt, den zuständigen Schulträgern und den Kommunen. Außerdem werde ich auch zur Vorstellung der Organisation einer Ganztagsschule bei Elternabenden oder Gesamtkonferenzen angefordert.

Schulen, die schon in das Landesprogramm aufgenommen sind, begleite ich durch jährliche Netzwerktreffen, die ich organisiere und leite. Ich halte immer einen engen Kontakt zu den Schulen, um zu wissen, welche Unterstützung sie gerade benötigen. Ein ganz wichtiger Teil meiner Aufgaben ist auch die Vermittlung von Kontakten zu passenden Referenzschulen oder Fortbildnern in Hessen und ganz Deutschland, um die individuelle Entwicklung der Schulen am entsprechenden Standort durch maßgeschneiderte Fortbildungen zu unterstützen

Ebenso bin ich Ansprechpartner für verschiedene Institutionen auf kommunaler Ebene sowie Schulverwaltungsebene und manchmal auch ein wenig Vermittler zwischen den einzelnen Interessenvertretern im Beratungsprozess.

Natürlich gehören auch verschiedene Verwaltungsaufgaben zu meiner Tätigkeit, wie zum Beispiel Anträge und Verwendungsnachweise der Schulen prüfen, Sachberichte erstellen, etc. Und nicht zuletzt ist die eigene Fortbildung wichtig, um immer up to date und am Puls der Zeit zu sein zu.

2. Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Freude?

Da ich selbst auch Ganztagskoordinator an meiner eigenen Schule bin, kann ich beide Seiten gut miteinander verbinden. Vieles aus meiner eigenen Praxis kann ich anderen Schulen zur Verfügung stellen. Ebenso kann ich viele neugewonnene Ideen an meiner eigenen Schule umzusetzen. Aber das Wichtigste ist, über den Tellerrand hinaus zu schauen, den eigenen Horizont zu erweitern, eigene Visionen zu haben und zu verwirklichen.

Kontakte knüpfen, um Fachleute themenbezogen in die Schulen zu bringen, und der fachliche Austausch mit den Schulen in der Region sind die angenehmen Seiten meiner Arbeit. Natürlich ist auch die stets konstruktive Zusammenarbeit mit den Vertretern des Hessischen Kultusministeriums, den Verantwortlichen bei den Schulträgern, dem Staatlichen Schulamt und den Kommunen und vor allem in den Schulen selbst ein Zeichen dafür, dass man gemeinsam gute Lösungen für unsere Schülerinnen und Schüler in Hessen sucht. Auch und gerade die Zusammenarbeit und Unterstützung durch die Serviceagentur „Ganztägig Lernen“ und der Austausch mit den Fachberaterinnen und Fachberatern in ganz Hessen ist ein dankbares Moment.

Eine moderne Schule kann heute nicht mehr in 45-Minutentakten und vollgestopften Schulbussen gemessen werden, sondern muss als Lebensort und zentrale Einrichtung in der Kommune verwurzelt sein.  Mit den Möglichkeiten der Ressourcen einer ganztägig arbeitenden Schule ist in den letzten Jahren an sehr vielen Orten in Hessen Wegweisendes geschaffen worden. An diesem Prozess mitzuarbeiten, Schüler/-innen, Eltern und Kollegien zu beteiligen, ist schön und gibt eine gewisse Bestätigung des eigenen Tuns.

3. Wie hat sich Ihre Rolle durch den Pakt für den Nachmittag verändert?

Zunächst einmal habe ich in meiner mehrjährigen Fachberatertätigkeit und auch aus der eigenen Lehrtätigkeit erfahren müssen, dass Entwicklungsprozesse in der Schullandschaft sehr viel Zeit brauchen. Zu einer erfolgreichen Umsetzung neuer Ideen braucht es teils auch immense Überzeugungsarbeit. Etliche nicht ausgereifte Vorhaben blieben in den vergangenen Jahren auf der Strecke, weil nur einige wenige Akteure von ihrer Idee überzeugt waren. Eine Verankerung des Paktes für den Nachmittag auf einer breiteren Basis, eine gute Analyse der örtlichen Gegebenheiten und Bedürfnisse lassen diese Schulentwicklung sicher zu einem Erfolgskonzept werden.

Der Pakt für den Nachmittag bedeutet einen größeren Beratungsbedarf der Schulen, aber mit dem Erfolg, dass Schule nicht nur als eine kostenverursachende und kinderbeherbergende Hülle gesehen wird, sondern ein ganz wichtiges Organ in der Kommune ist. Städte und Gemeinden sind nun ebenso angesprochen wie der Schulträger selbst und nur gemeinsam kann ein solches Vorhaben gestemmt werden. Der Kreis der Beteiligten im Schulentwicklungsprozess wird größer und wichtige Entscheidungen werden von mehreren Zuständigen getragen.

Natürlich erkennt man bei den Beratungen vor Ort an den Grundschulen auch die sehr individuellen Probleme. Auch Ängste und Unsicherheiten bei den meist sehr kleinen Kollegien im ländlichen Bereich gilt es abzubauen. Manchmal versucht man mit den beteiligten Verantwortlichen die Quadratur des Kreises. Eine Universallösung gibt es dabei nicht. Das macht die Arbeit anspruchsvoll, aber auch unheimlich interessant.

Wenn auch der Start des Paktes für den Nachmittag im Bereich des SSA Fulda von den Grundschulen zunächst zurückhaltend beobachtet wurde, ist doch nach einiger Zeit der Beratung ein spürbares Interesse einiger Grundschulen und Kommunen an diesem Landesprogramm zu verzeichnen. Gut Ding will eben Weile haben. Eine verstärkte Entwicklungsabsicht mehrerer Schulen hin zum Profil 2 nach einigen Jahren des Erfahrungssammelns in der Arbeit der Ganztagsschulen zeigt auch auf diesem Sektor eine stetige Entwicklungsbereitschaft der Schulen an. Mit dieser Tendenz sind wir gut für die Zukunft gerüstet.
 

Datum: 29.08.2016
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