Der 3. Grundschulfachtag des Schulamtsbereiches Bergstraße/Odenwald am 24.02.2015 am Goethe-Gymnasium in Bensheim zum Thema „Lernzeit: Raum und Zeit für individuelles Lernen“

Teaserbild

© Team der Serviceagentur "Ganztägig lernen" Hessen

Ein Bericht von Michael Schmitt

 Die Schule entwickeln durch Einführung von Lernzeiten, in denen individuelles Fördern und Üben ermöglicht wird; so lässt sich die Motivation des Schulamtes Heppenheim umschreiben, den inzwischen dritten Grundschulfachtag diesem aktuellen Thema zu widmen.

Ob es dabei um Halbtagsschulen, Ganztagschulen oder zukünftig die Schulen im Pakt für den Nachmittag geht, ist zunächst gar nicht so wichtig. Viel wesentlicher ist die Verlagerung von Haus- und Übungsaufgaben in die Schulzeit, wie der Referent des Hauptvortrags Wendelin Grimm deutlich macht. Lernzeiten bieten die Möglichkeit den unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler gezielt zu begegnen und gleichzeitig den für neu rhythmisierte Schultage zu setzen. In ganztägig arbeitenden Schulen finden Schülerinnen und Schüler durch die Verbindung von Vor- und Nachmittag deutlich mehr Raum für individuelles Lernen, unabhängig von den familiären Ausgangssituationen. Konzepte, an die neue Entwicklungsprozesse der Schulen anknüpfen können, hätten fast alle Schulen.

Das bestätigte sich auch bei den Workshops am Nachmittag: „Fast alle Workshops und auch einer der Fachvorträge wird aus den eigenen Schulen unseres Schulamtsbezirks bestritten und das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern es zeigt, mit welch hohem Engagement an Ihren Schulen neue Themen bearbeitet und in Angriff genommen werden,“ so Grundschuldezernentin Stefanie Werle-Wittmann bei der Begrüßung. Es gilt, die Schätze der Region zu erkennen und zu heben, erklärte auch Irmgard Gottmann, Fachberaterin für Ganztagsschulen am Schulamt. Beide betonten, dass die Schulen bei ihren Entwicklungsprozessen auf die Unterstützung des Schulamtes zählen können. So waren auch viele der Grundschulfachberaterinnen und -fachberater des Schulamtes anwesend.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich darüber hinaus zusammen aus Schulleitungen, Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern, Vertretern/innen der Trägereinrichtungen der Ganztagsangebote und Schulkindbetreuungen, Sozialpädagogen und Studenten. Eine Vielfalt, die von den beiden Veranstaltern der Fachtagung, Schulamt Bergstraße/Odenwald und Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen, auch so gewünscht war.

Doch nicht allein Grundschulen profitieren von Lernzeiten. „Auch für unser Gymnasium ist das Thema Lernzeiten ein zentraler Punkt bei der Schulentwicklung“, betonte Jürgen Mescher, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums Bensheim, das für den Fachtag seine Räume zur Verfügung stellte. Er wies zudem auf die Vorteile im Zusammenhang mit G8 hin: „Die Fördermöglichkeiten im Zusammenhang mit G8 haben am Goethe-Gymnasium dazu geführt, dass die Zahl der Repetenten und Schulabbrecher nachweislich um ca. zwei Drittel zurückgegangen ist. Die Nachfrage nach Lernzeitklassen nimmt stetig zu, und so zeigt sich, dass es auf die pädagogische Ausgestaltung eines Konzeptes ankommt, das nicht durch den Begriff „Turbo-Abitur“ diskreditiert werden darf.“ Wie das praktisch aussieht, führte die Ganztagskoordinatorin der Schule, Nicole Guthier, aus, die den Prozess der Einführung von Lernzeitklassen nachzeichnete. Sie machte dem Grundschulplenum deutlich, dass  bei diesen  Entwicklungsprozessen die Unterscheidung von Grund- und Sekundarstufenschule zunächst wenig relevant ist. Bedeutender sei der Austausch über Erfahrungen - das Voneinander lernen.

Ein wichtiger Bestandteil des Fachtags war neben dem Input durch Referenten die anschließende Reflexion und die konkrete Planung für die eigene Schulpraxis. Die  Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten am Nachmittag nach der Workshopphase Zeit und Raum das Gehörte kollegial zu besprechen und eigene Ziele zu formulieren. Die Rückmeldungen aus dem Plenum zeigten, dass viele Schulen bereits an Lernzeitkonzepten arbeiten oder diese zukünftig weiter entwickeln wollen.

So zeigte sich auch Ulrike Haarmann-Handouche vom Hessischen Kultusministerium beeindruckt von der Vielzahl der bereits umgesetzten Konzepte in der Region. Die Zukunft gehöre Schulen, die individuelle Förderung mit Ganztagskonzepten zusammenführen: „Die Intention dieses Fachtages entspricht ganz diesem Anliegen: Individuelle Förderung wird in einen professionellen Kontext gestellt, die Unterstützungsbedarfe der Kinder werden thematisiert, Ideen und Praktiken für eine Didaktik und Methodik der Förderung im Ganztag vorgestellt, gute Umsetzungsstrategien und Kooperationen diskutiert. Förderung muss eine Gesamtstruktur auf allen Ebenen haben, so entwickeln sich Kontinuität und Nachhaltigkeit.“

Dieser Nachhaltigkeit will das Staatliche Schulamt begegnen, indem es die Schulen aufforderte weiterhin bestehende Kontakte auszubauen und den Austausch der Schulen voranzutreiben. Möglichkeiten dafür bieten sich etwa über die Hospitationsangebote der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen, aber auch über Netzwerke der Schulen untereinander. Denn Entwicklungsprozesse können seitens der Bildungsverwaltung zwar angeregt und unterstützt werden, erfolgreich werden sie aber nur dann, wenn Kollegien, Schulleitung, Eltern und nicht zuletzt die Schülerinnen und Schüler von den Vorteilen einer neuen (veränderten) Schulkultur überzeugt sind.

Autorin: Michael Schmitt
Datum: 04.03.2015
© www.hessen.ganztaegig-lernen.de

Weitere Informationen:
Dokumentation des Fachtags

Die Schule entwickeln durch Einführung von Lernzeiten, in denen individuelles Fördern und Üben ermöglicht wird; so lässt sich die Motivation des Schulamtes Heppenheim umschreiben, den inzwischen dritten Grundschulfachtag diesem aktuellen Thema zu widmen. Ob es dabei um Halbtagsschulen, Ganztagschulen oder zukünftig die Schulen im Pakt für den Nachmittag geht, ist zunächst gar nicht so wichtig. Viel wesentlicher ist die Verlagerung von Haus- und Übungsaufgaben in die Schulzeit, wie der Referent des Hauptvortrags Wendelin Grimm deutlich macht. Lernzeiten bieten die Möglichkeit den unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler gezielt zu begegnen und gleichzeitig den für neu rhythmisierte Schultage zu setzen. In ganztägig arbeitenden Schulen finden Schülerinnen und Schüler durch die Verbindung von Vor- und Nachmittag deutlich mehr Raum für individuelles Lernen, unabhängig von den familiären Ausgangssituationen. Konzepte, an die neue Entwicklungsprozesse der Schulen anknüpfen können, hätten fast alle Schulen.

Das bestätigte sich auch bei den Workshops am Nachmittag: „Fast alle Workshops und auch einer der Fachvorträge wird aus den eigenen Schulen unseres Schulamtsbezirks bestritten und das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern es zeigt, mit welch hohem Engagement an Ihren Schulen neue Themen bearbeitet und in Angriff genommen werden,“ so Grundschuldezernentin Stefanie Werle-Wittmann bei der Begrüßung. Es gilt, die Schätze der Region zu erkennen und zu heben, erklärte auch Irmgard Gottmann, Fachberaterin für Ganztagsschulen am Schulamt. Beide betonten, dass die Schulen bei ihren Entwicklungsprozessen auf die Unterstützung des Schulamtes zählen können. So waren auch viele der Grundschulfachberaterinnen und -fachberater des Schulamtes anwesend. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich darüber hinaus zusammen aus Schulleitungen, Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern, Vertretern/innen der Trägereinrichtungen der Ganztagsangebote und Schulkindbetreuungen, Sozialpädagogen und Studenten. Eine Vielfalt, die von den beiden Veranstaltern der Fachtagung, Schulamt Bergstraße / Odenwald und Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen, auch so gewünscht war.
Doch nicht allein Grundschulen profitieren von Lernzeiten. „Auch für unser Gymnasium ist das Thema Lernzeiten ein zentraler Punkt bei der Schulentwicklung“, betonte Jürgen Mescher, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums Bensheim, das für den Fachtag seine Räume zur Verfügung stellte. Er wies zudem auf die Vorteile im Zusammenhang mit G8 hin: „Die Fördermöglichkeiten im Zusammenhang mit G8 haben am Goethe-Gymnasium dazu geführt, dass die Zahl der Repetenten und Schulabbrecher nachweislich um ca. zwei Drittel zurückgegangen ist. Die Nachfrage nach Lernzeitklassen nimmt stetig zu, und so zeigt sich, dass es auf die pädagogische Ausgestaltung eines Konzeptes ankommt, das nicht durch den Begriff „Turbo-Abitur“ diskreditiert werden darf.“ Wie das praktisch aussieht, führte die Ganztagskoordinatorin der Schule, Nicole Guthier, aus, die den Prozess der Einführung von Lernzeitklassen nachzeichnete. Sie machte dem Grundschulplenum deutlich, dass  bei diesen  Entwicklungsprozessen die Unterscheidung von Grund- und Sekundarstufenschule zunächst wenig relevant ist. Bedeutender sei der Austausch über Erfahrungen - das Voneinander lernen.
Ein wichtiger Bestandteil des Fachtags war neben dem Input durch Referenten die anschließende Reflexion und die konkrete Planung für die eigene Schulpraxis. Die  Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten am Nachmittag nach der Workshopphase Zeit und Raum das Gehörte kollegial zu besprechen und eigene Ziele zu formulieren. Die Rückmeldungen aus dem Plenum zeigten, dass viele Schulen bereits an Lernzeitkonzepten arbeiten oder diese zukünftig weiter entwickeln wollen. So zeigte sich auch Ulrike Haarmann-Handouche vom Hessischen Kultusministerium beeindruckt von der Vielzahl der bereits umgesetzten Konzepte in der Region. Die Zukunft gehöre Schulen, die individuelle Förderung mit Ganztagskonzepten zusammenführen: „Die Intention dieses Fachtages entspricht ganz diesem Anliegen: Individuelle Förderung wird in einen professionellen Kontext gestellt, die Unterstützungsbedarfe der Kinder werden thematisiert, Ideen und Praktiken für eine Didaktik und Methodik der Förderung im Ganztag vorgestellt, gute Umsetzungsstrategien und Kooperationen diskutiert. Förderung muss eine Gesamtstruktur auf allen Ebenen haben, so entwickeln sich Kontinuität und Nachhaltigkeit.“
Dieser Nachhaltigkeit will das Staatliche Schulamt begegnen, indem es die Schulen aufforderte weiterhin bestehende Kontakte auszubauen und den Austausch der Schulen voranzutreiben. Möglichkeiten dafür bieten sich etwa über die Hospitationsangebote der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen (siehe: www.hessen.ganztaegig-lernen.de), aber auch über Netzwerke der Schulen untereinander. Denn Entwicklungsprozesse können seitens der Bildungsverwaltung zwar angeregt und unterstützt werden, erfolgreich werden sie aber nur dann, wenn Kollegien, Schulleitung, Eltern und nicht zuletzt die Schülerinnen und Schüler von den Vorteilen einer neuen (veränderten) Schulkultur überzeugt sind.