Kurzvorstellung "Positive Pädagogik: Sieben Wege zu Lernfreude und Schulglück" von Olaf-Axel Burow

Buch Burow Positive Paedagogik

Autorin: Gunild Schulz-Gade, Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen, März 2012

Der an der Universität Kassel lehrende Erziehungswissenschaftler Olaf-Axel Burow, der in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Veröffentlichungen zu Themen der (Ganztags-)Schulentwicklung vorlegte, präsentiert den Leserinnen und Lesern in seiner jüngsten Veröffentlichung seinen Ansatz einer positiven Pädagogik1, in der er sieben von ihm ausgewählte Wege zu Lernfreude und Schulglück aufzeigt.

Das sich in drei Abschnitte gliedernde Buch beschäftigt sich zunächst in historischer Perspektive mit der Frage, warum das Glück aus der Schule verschwand, geht in einem zweiten Teil der Frage nach, wie das Glück wieder Einzug in die Schulen erhalten könne und zeigt in einem stärker praxisbezogenen letzten Teil schließlich die bereits genannten Wege zu mehr Lernfreude und Schulglück auf.

Von der gemeinhin vorherrschenden Meinung ausgehend, nach der Glück und Schule gewissermaßen zwei sich wechselseitig ausschließende Größen zu sein scheinen, sucht Burow in der Geschichte des pädagogischen Denkens danach, wann und warum innerhalb derselben das Glück aus der Pädagogik verschwand. Anfänge des Endes macht Burow im Zeitalter des Neuhumanismus und namentlich bei dem als Klassiker der Bildungstheorie geltenden Wilhelm von Humboldt aus, nach dem der wahre Zweck des Menschen die höchste Ausbildung aller seiner Kräfte zu einem harmonischen Ganzen und nicht gerade das Glück sei2. Über mehrerlei Phasen setzt sich die Tradition der Vertreibung des Glücks aus den pädagogischen Theorien und Bildungseinrichtungen bis in die Zeiten der Globalisierung fort, wie Burow an ausgewählten Beispielen nachweist.

Im einem zweiten Teil stellt Burow unterschiedliche Quellen einer Pädagogik des Glücks zusammen, die für ihn zum Beispiel in dem Entdecken persönlicher Berufungen, der Entfaltung innerer Potentiale eines jeden Einzelnen, dem synergetischen Lernen in einladenden Umwelten, der Kultivierung von "Flow"-Gefühlen, der Wertschätzung jenseits von Noten und im "Vorbild" authentischer und begeisterungsfähiger Lehrer bestehen.

Zielpunkt seiner Überlegungen dieses Abschnitts ist die notwendige Transformation der überkommenden Unterrichtsschule zu einem „Kreativen Feld“, in dem alle Lernenden und Lehrenden ihr Potential entfalten können. Zu fragen ist hier, ob ganztägig arbeitende Schulen hier besonders günstige Bedingungen der Umsetzung bieten.
In dem letzten Abschnitt seines Buches stellt Burow „Sieben Wege zu mehr Lernfreude und Schulglück“ aus der Praxis der „Positiven Pädagogik“ für eine ebensolche vor.

Im Folgenden seinen von den sich aus den Erfahrungen seiner langjährigen Schulentwicklungsarbeit vorgestellten Wegen lediglich zwei in Kürze vorgestellt, von denen der eine zeigen soll, welcher Entwicklungsprozess auch unter erschwerten Bedingungen innerhalb relativ kurzer Zeit möglich ist, während der andere konkrete Umsetzungsschritte vorstellt, die als Beispiel für die Gestaltung des eigenen Schulentwicklungsprozesses dienen können.

In dem ersten Beispiel wird der erfolgreiche Veränderungsprozess einer renovierungsbedürftigen und von sinkenden Schülerzahlen betroffenen Schule (Valentin-Traudt-Gesamtschule in Großalmerode) hin zu einer modernen und attraktiven Modellschule dargestellt. Diese erfolgreiche Entwicklung konnte innerhalb von nur fünf Jahren durch die Konzentration auf die „Entwicklung eines ganztägigen Erziehungs- und Bildungsangebots“, den „Aufbau neuer Formen von Öffentlichkeitsarbeit“, eine „systematische institutionelle Entwicklung“ und eine „gezielte Personalentwicklung“ von engagierten Mitgliedern der Schulgemeinde erzielt werden.

Im zweiten Beispiel zeigt er auf, wie sich mit der Methode der Zukunftswerkstatt eine gesundheitsförderliche und damit für ihn gute Schule entwickeln lässt. Anhand eines differenzierten Zeitrasters wird der Ablauf einer eintägigen Zukunftswerkstatt mit der Zielsetzung einer „gesunden Schule“ als Vorlage für die praktische schulische Entwicklungsarbeit vorgestellt. Im Nachvollzug der klassischen Phaseneinteilung wird verdeutlicht, wie sich in der Diagnosephase markante Belastungspunkte am Arbeitsplatz herausstellen lassen (z.B.: Zeitmangel, ungünstige Kommunikations-strukturen, zu wenig Rückzugsräume) und in der sich anschließenden Visionenphase
Grundsätze eines gesundheitsförderlichen Arbeitsplatzes ermittelt und benannt werden können (z.B. gegenseitiger Respekt, Wir-Gefühl, selbstbestimmtes Lernen u. Autonomie). In der abschließenden Realisierungsphase ließen sich Teilziele festlegen und konkrete Umsetzungsschritte bestimmen.

In der von Burow vorgelegten „Positiven Pädagogik“ bilden Glück und Schule keinen Widerspruch. Abseits von eingefahrenen Pfaden der Schulentwicklung, weist der Autor exemplarisch auf, auf welchen möglichen „sieben Wegen“ beide miteinender glücklich zu vereinen sind.

1 Olaf-Axel Burow: Positive Pädagogik. Sieben Wege zu Lernfreude und Schulglück,  Beltz-Verlag, Weinheim/Basel 2011
2 Vgl. Burow 2011, S.17