Stadt Kassel startet Theater-Pilotprojekt zur Sprachförderung im Ganztag

Spielraumtheater
Spielraumtheater - Der Märchenkoch
Die Verzahnung von Bildung und Kultur insbesondere auf kommunaler Ebene ist ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Bildungskette in der Zusammenarbeit zwischen Kitas, Schulen, Jugendzentren und Volkshochschulen mit kulturellen Institutionen wie Theatern, Musikschulen oder Museen. Vor diesem Hintergrund geht die Stadt Kassel mit einem innovativen Theater- Pilotprojekt für neun Kasseler Grundschulen mit Ganztagsangeboten an den Start (TiGa – Theater im Ganztag).

Im aktuellen Schuljahr 2018/19 sollen rund 2000 Kinder von kostenfreien Theatervorstellungen und theaterpädagogischen Angeboten im Ganztagsbereich ihrer Schule profitieren.

„Ins Theater zu gehen, können viele Familien sich gar nicht leisten oder sie haben einfach keinen Bezug zum Theater. Durch unser Projekt sollen Kinder unabhängig von der ökonomischen Situation ihrer Familien die Möglichkeit bekommen, den Zauber von Theater zu erleben. Denn Theater kann so viel mehr als bewegte Bilder zu zeigen: Es weckt Emotionen, fördert Empathie und bildet zahlreiche Anregungen für Sprachanlässe. Kultur und Sprache sind hier wechselseitig eng miteinander verbunden. Das Pilotprojekt ist ein hervorragender Beitrag zur Qualität im Ganztag an unseren Grundschulen und für mehr Bildungsgerechtigkeit“, so Bildungsdezernentin Anne Janz.
 


Foto: Juliane Schmidt

(von links nach rechts): Stefan Becker (Spielraumtheater), Juliane Schmidt (Stadt Kassel, Amt für Schule und Bildung), Anne Janz (Stadt Kassel, Dezernentin für Jugend, Frauen, Gesundheit und Bildung), Susanne Völker (Stadt Kassel, Dezernentin für Kultur), Tobias Kröck (Schulleiter Valentin- Traudt- Schule), Delia Timmermann (Grundstufenleitung Valentin- Traudt- Schule), Verena Bandulewitz (Sozialarbeit an Grundschulstandorten, Valentin- Traudt- Schule)

 

Kulturdezernentin Susanne Völker erklärt dazu: „Die Verknüpfung von Sprachentwicklung und kultureller Bildung ist ein moderner Ansatz in der Kompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen, der darüber hinaus ermöglicht, kulturelle und soziale Grenzen zu überwinden und Perspektivwechsel zu erreichen. Gerade mit Blick auf die Vielfalt von kulturellen Hintergründen in unserer Stadtgesellschaft ist dieser kulturelle Bildungs-Ansatz deshalb so wichtig.“

Stefan Becker vom Spielraumtheater Kassel präsentiert bereits in Kasseler Kindertagesstätten Aufführungen für Kinder, die auf Sprachförderung zielen. Weil die Entwicklung und Förderung von Sprache nicht mit der Einschulung endet, ist es nur konsequent die Förderung entlang der Bildungskette auch in der Grundschule fortzuführen. „Über das Zuhören und Zuschauen prägt sich das Erzählt so tief ein, so dass die Kinder noch Jahre später die Geschichte auf das Genaueste erinnern und versprachlichen können“, berichtet Stefan Becker.  
„Wir wissen aus Erfahrungen der Kindertagesstätten, dass Theateraufführungen sich exzellent zur Förderung der Sprachfreude und -Kompetenz eignen: Jedes Lernen, bei dem positive Emotionen angesprochen werden, ist intensiver und nachhaltiger und unterstützt unser Ziel, Kinder in ihrer individuellen Bildungsbiographie zu fördern“, ergänzt Juliane Schmidt, Koordinatorin für den Ganztag an Grundschulstandorten im Amt für Schule und Bildung.

„Der Märchenkoch“ begeisterte bei der offiziellen Auftaktveranstaltung am 12. November 2018 die vierten Klassen der Valentin- Traudt-Schule.
Für eine Stunde wurde aus der Aula der Schule in eine Märchenküche. Und wie der Koch so beim Suppe kochen erzählte, verwandelte sich die Zwiebel blitzschnell in eine liebenswerte Großmutter, aus einer Möhre nebst Radieschen wurde Rotkäppchen und die Gemüsepresse spielte den bösen Wolf. Die Kinder kicherten und fieberten mit und am Ende wurde das Rotkäppchen genüsslich verzehrt.


Foto: Juliane Schmidt

Bis zum Sommer 2019 sollen an neun Kasseler Grundschulen mit Ganztagsangeboten insgesamt 72 Aufführungen unterschiedlicher Theaterstücke mit Geschichten aus der ganzen Welt gezeigt werden. Mit der Bereitstellung von Begleitmaterialien für den Schulunterricht und für die Ganztagsangebote der Grundschulen soll die Förderung auch in den schulischen und pädagogischen Alltag Einzug halten. Damit das gut und nachhaltig gelingt, gibt es theaterpädagogische Angebote für Kinder im Ganztag und Fortbildungsmöglichkeiten für das pädagogische- und Lehrpersonal.

Autorin:
Juliane Schmidt

Amt für Schule und Bildung
Stadt Kassel